Ohne Chemie


Ein Prägelzer behandelt seine Leiden erfolgreich mit sanften Thepapien.

« Ich nehme keine Medikamente. Und schon gar keine chemischen Zusammensetzungen, deren Nebenwirkungen unbekarmt sind! » stellt Marcel Bärtschi gleich zu Beginn klar. Laut Statistiken sollte der 31-jährige Programmierer aus Prägelz bereits seit fünf bis sechs Jahren tot sein. Die Lebenserwartung für Patienten, die wie er an Friedreich-Ataxie leiden, ist kurz.

Die seltene, degenerative Krankheit ist genetisch bedingt und betrifft eine bis zwei von 100 000 Personen, in der Schweiz rund 100. Sie bricht meist im Kindesalter aus, zirka mit fünf bis sechs Jahren.

Ernüchterung. Bis heute gibt es keine Therapie. Mit «Mnesis», einem Medikament zur Linderung von AItersbeschwerden, konnten jedoch einige Erfolge verbucht werden. Das Produkt ist in der Schweiz nicht registriert und der japanische Hersteller erwâgt aus Rentabilitâtsgründen einen Produktionsstopp. «Mnesis» wird in Italien und Südamerika verkauft und ist über Internet erhältlich.

Marcel Bärtschi ist das alles egal. « Als Kind litt ich unter Gleichgewichtsstörungen und konnte nur mit Mühe gehen. Es gab damals keine Medikamente!» Aufgeben und sich in sein Schneckenhaus zurückziehen wollte er nicht und absolvierte nach der Schulzeit eine Mechanikerlehre.

Auf der Suche nach einem Ausweg entdeckt er die Alternativ-Medizin. «Ich war zweimal in England bei einem weltweit bekannten ManualTherapeuten. Danach ging's mir drei Monate lang besser. » Aber eine Woche England kostete 6000 Franken, die von keiner Krankenkasse bezahlt wurden.

Reiki. « Nach meiner Rückkehr von der Insel entdeckte ich Reiki », sagt Marcel Bärtschi lächelnd. Die Therapeutin wohnte glticklicherweise im Seeland. Sein Zustand besserte sich nach jeder wöchentlichen Sitzung, die Sprachstörungen schwächten sich ab. Angetrieben durch den Wunsch nach grösstmöglicher Autonomie, beschäftigte er sich mit dieser alternativen Medizin aus Japan, die vier Stufen beinhaltet.

Er konnte trotz seiner Behinderung mit eisernern Willen und Selbstbeherrschung das Diplom zur 3. Ausbildungsstufe erwerben. « Ich praktiziere täglich eineinhalb Stunden Reiki. Dadurch lernte ich das Leben positiv zu sehen und weiss, dass ich es mit der Autosuggestion schaffen kann. » Diese Kunst wirkt wie ein Katalysator für seine Selbstheilungskräfte.




Marcel Bärtschi leidet an der sehr seltenen Friedreich-Ataxie-Krankheit

Hoffnung. « Mein zweites Therapiestandbein ist Stretching », erklärt Marcel Bärtschi. « Meine Muskeln sind stärker und ich bin besser in Form als vor zehn Jahren. » Bärtschi ist auch überzeugt, dass übertriebene Schonung nichts nützt. Er hilft der Tochter seiner Frau bei den Schulaufgaben, kümmert sich um dem Garten und verschlingt Bücher über Hypnose und Telepathie. Er nennt das « meine Gratistherapie ». Marcel Bärtschis Lebensaufgabe: Er will anderen Kranken und ihren Familien Hoffnung machen. Und auch seinen Humor hat er nicht verloren: « Mit 35 werde ich die vier Räder meines Rollstuhls gegen Autoräder eintauschen: Ich will den Führerschein machen. »